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Impressionen

Unsere Dozenten: Christine Reinckens - Akt II

Was eine Studie ist…

„Was eine Studie ist, weiß ja jeder, nämlich der schnelle Zugriff auf das Sichtbare. Da reizt etwas den malerischen Instinkt, Palette und Farben werden in Bereitschaft gebracht, die Leinwand auf die Staffelei gesetzt, und dann malt man los. Das klingt einfach, und doch geschieht hier etwas ganz Außerordentliches. Die Gelegenheit zur Studie ist stets begrenzt. Sie unterliegt dem Diktat der Zeit, dem Wandel des Lichts und der Umstände. Der zeitlich überschaubare Malvorgang mit seinem charakteristischen Malverhalten lässt von sich aus nichts zu, was über eine Tageslänge hinausgeht. In der Regel wird man zwei bis vier Stunden auf sie verwenden.“
„Das Besondere einer Studie liegt im befristeten Aufwand ungeheurer Energie. Es liegt aber auch in einem bruchlosen Ablauf, in der Ganzheitlichkeit des Malvorgangs, in dem keine Zeit für Spekulationen oder Grübeleien bleibt. Die Studie verlangt ein Timing. Man muss abschätzen können, wie viel Aufmerksamkeit den Details gewidmet werden kann, wie zügig Hintergründe eingezogen werden sollen, welches Maß an Farbdifferenziertheit angepeilt werden darf. Stimmt das Timing nicht, gerät sie aus dem Gleichgewicht.“
„…Innerhalb einer Studie ist der realistische Maler ganz Medium. Das bedeutet, dass er sich total rezeptiv einstellt, damit die sinnlich-optischen Signale eindringen können und ihre Wirkung auslösen. Man weiß in solchen Arbeitsphasen nichts, man ist dann ganz Handelnder, man ist, was man gerade in diesem Moment kann. Innerhalb solcher Spannungsbögen läuft ein Prozess ab, der zu Erfahrungen und Ergebnissen führt, die mehr einbringen als das, was man vorher schon wusste. Jede Studie ist Erfahrung über das Instrument, das der Künstler darstellt. Man kann das Studienmalen als Kunst der Selbstinstrumentierung bezeichnen.
Sie ist die zentrale Schule des Realisten.“

Nikolaus Störtenbecker

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