Unter Neues von der Burg: Artikel in Mein Kreativ Atelier
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Burg Herstelle – Die Historie

Die Burg Herstelle liegt im Dreiländereck Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen. Der Ort Herstelle, an einer Weserfurt gelegen, war wohl früher umkämpftes Grenzgebiet. So hat der spätere Kaiser Karl der Große in den Sachsenkriegen 797 / 798 auf dem Hersteller Berg sein Winterlager aufgeschlagen. Der Ort wurde nach dem Namen einer seiner Hauptresidenzen in Belgien, Heristal, benannt. Und auch die Carolus-Magnus-Straße, an der die Burg liegt, erinnert im Namen an Karl den Großen.

1036 Heristalli gehört zum Kollegiatstift Busdorf zu Paderborn (Bischof Meinwerk).

Wann die Burg errichtet wurde, ist nicht überliefert. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Burg 1292 als Burg der Bischöfe von Paderborn.

1315 wurde sie von dem Paderborner Bischof Theoderich von Itter an die Ritter Rabe von Kalenberg und Konrad von Itteren verpfändet. Bischof Simon II. löste die Burg in der 2. Hälfte des 14. Jh. wieder ein. und 1385 wurde die Burg vom Paderborner Bischof an den Ritter Widekind von Falkenberg verpfändet.

1465 wurde die Siedlung Herstelle und auch die Burg von den Hessen niedergebrannt. Der Wiederaufbau erfolgte wenige Jahre später.

1608 übernimmt der Paderborner Bischof wieder Herstelle, Kemperfeld kommt dazu.

1632 wurde sie wieder von hessischen Truppen erobert und 1637 durch einen Brand zerstört.

Gemälde vom Amtshaus und Dorf Herstelle, Anno 1656
Ausschnitt des oberen Bildes

1657 wurden Teile der ausgebrannten Burg dem Minoritenorden (aus HX vertrieben) übergeben, sie bauten in den Ruinen der alten Kirche, der übrige Teil der Burg wurde als bischöfliche Domäne genutzt.

1815 Verpachtung an den hessischen Generalmajor Ernst Spiegel zu Helmarshausen.

Danach wechselten die Bewohner der Burg immer wieder, bis im Jahre 1822 die Freifrau Fernandine Heereman von Zuydtwyck, geborene von Haxthausen-Bökendorf, eine der vielen Tanten der Dichterin aus der großen Familie derer von Haxthausen, die eine Vielzahl an Burgen und Gütern im heutigen Kreis Höxter besaßen, die Burg erwarb. Im Auftrag ihrer „Tante Dine“ fügte der Koblenzer Architekt Johann Claudius von Lassaulx 1826 – 1832 das neugotische, steinsichtige neue Hauptgebäude und den zinnenbekrönten Rundturm an das ältere, verputzte Amtshaus mit Mansarddach an, das der Vorbesitzer, der Paderborner Bischof Franz Egon von Fürstenberg, 1798 hatte erbauen lassen.

Viele Jahrzehnte diente dann die Burg Gelehrten, Dichtern und Künstlern als Zentrum für literarische Zirkel und Zusammenkünfte. Bekannte Persönlichkeiten wie die Wilhelm und Ludwig Grimm, die mit der Burgherrin und ihrer Tochter Amalie befreundet waren, und Annette von Droste-Hülshoff, eine Nichte der Burgherrin, waren häufig hier zu Gast.

Zeichnung von Ludwig Emil Grimm und zeigt eine Situation vom 22. September 1827, in der Emil sich darüber beschwert, die ganze Nacht wegen des Gebells eines “Hündchens” nicht geschlafen zu haben.

Diese Ära endete vor knapp hundert Jahren, 1927 wurde die Burg verkauft. Auch danach wechselte sie mehrfach Besitzer und Nutzungen: Erholungsheim für ein großes Stahlunternehmen und für Hirnverletzte, Asylantenheim, Gästehaus und Restaurant…

Ab 1981 standen die Gebäude 25 Jahre lang mit kurzen Unterbrechungen und erfolglosen Nutzungs- und Renovierungsversuchen mehr oder weniger leer, die Bausubstanz wurde vernachlässigt.

2006 erwarb die heutige Eigentümerfamilie das Denkmal und hat die Burg Schritt für Schritt saniert und ein Nutzungskonzept entwickelt, das an die Tradition des alten Zentrums für Kunst und Kultur anknüpft.

2017 Verleihung des Bundespreises für Handwerk in der Denkmalpflege. Als neue Eigentümer begannen Petra Sporbeck-Hörning und Martin Hörning ab 2010 die schrittweise Renovierung des Gebäudes, das sich als sehr marode herausstellte.  Mit langem Atem und der behutsamen Wiederherstellung der originalen Substanz mit all ihren Gebrauchsspuren sowie vorsichtigen Ergänzungen für moderne Nutzungsanforderungen ist eine vorbildliche denkmalpflegerische Maßnahme entstanden. Die vertrauensvolle und anregende Zusammenarbeit von Eigentümer, Denkmalpflege und Handwerkern lässt sich in allen Bereichen erkennen. Die Jury zeichnet dafür Petra Sporbeck-Hörning und Martin Hörning mit einem 1. Preis aus. Für die noch anstehenden Arbeiten am anschließenden Amtshaus wünscht die Jury weiterhin eine so glückliche Hand wie auch beim Erfolg bei der Nutzung des Palas, der die bauzeitliche Nutzung als kultureller Mittelpunkt der Region wieder aufgreift. 

Heute ist die Burg Herstelle ein Zentrum für Kunst, Kultur und Gesundheit.